Die Route in Zahlen

Der Berliner Höhenweg ist eine Höhentraverse durch den Hochgebirgs-Naturpark Zillertaler Alpen, eines der am strengsten geschützten alpinen Gebiete Österreichs.

KennzahlWert
Etappen8 (7 Wandertage)
Distanz71 km
Gesamtanstieg5.300 m
Gesamtabstieg5.000 m
Höchster Punkt3.133 m
SaisonJuli bis September

Quelle: Tirol Tourismus -- Berliner Höhenweg


Die Hüttenabfolge

Der Berliner Höhenweg verbindet 8 Hütten auf einer annähernd kreisförmigen Route durch die Zillertaler Alpen. Jede Hütte hat einen Talzugang, was flexible 3-4-Tages-Abschnitte per öffentlichem Verkehr ermöglicht.

EtappeHütteHöhe
1Gamshütte1.921 m
2Friesenberghaus2.498 m
3Olpererhütte2.389 m
4Furtschaglhaus2.295 m
5Berliner Hütte2.042 m
6Greizer Hütte2.227 m
7Kasseler Hütte2.177 m
8Edelhütte2.238 m

Quelle: Zillertal Tourismus -- Berliner Höhenweg


Charakter der Etappen

Etappe 1: Finkenberg zur Gamshütte (1.921 m)

Der Zustieg vom Zillertaler Talboden. Ein durchgehender Anstieg von rund 1.300 Metern von Finkenberg (780 m) zur Gamshütte. Das ist ein Konditionstag — der Höhengewinn ist beträchtlich und setzt den Ton für die Route. 4-5 Stunden einplanen.

Etappe 2: Gamshütte zum Friesenberghaus (2.498 m)

Ein fordernder Tag mit ausgesetzten Gratpassagen. Die Route steigt von der relativ niedrig gelegenen Gamshütte zu einer der höchsten Hütten der Runde. Mit zunehmender Höhe öffnen sich Panoramablicke auf das Zillertaler Gletschersystem. Das Friesenberghaus sitzt auf einer Felsterrasse mit Blick hinunter zum Schlegeis-Speicher.

Etappe 3: Friesenberghaus zur Olpererhütte (2.389 m)

Die Olpererhütte ist eine der meistfotografierten Hütten der Alpen. Sie thront auf einem Vorsprung über dem türkisfarbenen Schlegeis-Speicher, dahinter erhebt sich der Olperer (3.476 m). Die Route zwischen den beiden Hütten verläuft über hohe Gratlinien mit Blicken in die gletschergeformten Täler darunter.

Etappe 4: Olpererhütte zum Furtschaglhaus (2.295 m)

Eine Übergangsetappe, die vom Olperer-Gebiet in die inneren Bereiche des Naturparks hinabführt. Das Furtschaglhaus liegt unterhalb des Schlegeiskeeses in einem dramatischen Kar. Der Große Möseler (3.478 m) — der höchste Gipfel der Zillertaler Alpen — ist von dieser Hütte aus sichtbar.

Etappe 5: Furtschaglhaus zur Berliner Hütte (2.042 m)

Der Abstieg zur berühmtesten Hütte der Runde. Die Berliner Hütte ist keine typische Schutzhütte — sie ist ein großes Berghaus des 19. Jahrhunderts mit einem historisch bedeutsamen Speisesaal. Ein hinsichtlich der Höhenmeter relativ moderater Tag, der Zeit lässt, die Architektur und Geschichte der Hütte zu würdigen.

Etappe 6: Berliner Hütte zur Greizer Hütte (2.227 m)

Die Route steigt aus der Tallage der Berliner Hütte wieder auf, durch zunehmend abgeschiedenes Gelände. Die Greizer Hütte liegt auf einer hohen Terrasse in einem Hängetal. Diese Etappe durchquert einige der einsamsten Abschnitte der Route.

Etappe 7: Greizer Hütte zur Kasseler Hütte (2.177 m)

Hochalpine Gratwanderung mit anhaltender Ausgesetztheit. Das Gelände ist rau — Schutt, Felspfade und früh in der Saison möglicherweise Altschneefelder. Die Kasseler Hütte sitzt auf einem Felsbalkon über dem Stilluptal.

Etappe 8: Kasseler Hütte zur Edelhütte / Mayrhofen

Die Schlussetappe führt von der Kasseler Hütte über die Edelhütte (2.238 m) hinunter zum Zillertaler Talboden. Ab der Edelhütte gibt es die Optionen, weiter nach Mayrhofen (633 m) abzusteigen — etwa 3-4 Stunden Abstieg — oder für einen Teil des Abstiegs die Ahornbahn zu nehmen.


Berliner Hütte: das Flaggschiff von 1879

Die Berliner Hütte verdient gesonderte Aufmerksamkeit. 1879 von der Sektion Berlin des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins erbaut, war sie Österreichs erste Alpenvereinshütte, die unter Denkmalschutz gestellt wurde (1997).

DetailWert
Erbaut1879
Denkmalschutz1997 (erste Alpenvereinshütte Österreichs)
Kapazität35 Betten + 102 Lagerplätze + 14 Winterraumplätze
SaisonAnfang Juni bis Ende September
Zustieg3 Stunden ab Breitlahner (Ginzling)
Nächste BahnMayrhofen über die Zillertalbahn

Der Speisesaal der Hütte ist fünf Meter hoch, holzgetäfelt und mit Kronleuchtern ausgestattet — auf 2.042 Metern über dem Meer eigentlich fehl am Platz, aber ganz im Geist der großen Ambitionen der Alpenvereinsbewegung des 19. Jahrhunderts. Die Sektion Berlin baute diese Hütte nicht als einfache Schutzhütte, sondern als Statement dessen, was zivilisierte Bergkultur sein konnte.

Die Hütte hat Duschen (Münzbetrieb, 2-3 EUR pro 2 Minuten) und Mobilfunkempfang. Sie serviert traditionelle Tiroler Küche.

Quelle: OeAV Hüttenfinder -- Berliner Hütte; Tirol Tourismus -- Berliner Hütte


Technische Anforderungen

Der Berliner Höhenweg erfordert:

  • Trittsicherheit: Pflicht. Das Gelände umfasst Schutt, Felspfade und gelegentliche Schneefelder.
  • Schwindelfreiheit: Pflicht. Mehrere Passagen sind ernsthaft ausgesetzt, mit erheblichen Abbrüchen.
  • Kondition: Tage von 5-7 Stunden sind Standard. Der Gesamtanstieg über 8 Etappen (5.300 m) ergibt im Schnitt 660 Höhenmeter pro Tag, aber manche Etappen konzentrieren den Anstieg.
  • Keine Gletscherquerungen: Die Hauptroute verläuft gletschernah, quert aber kein Gletschereis. Die Nähe bedeutet allerdings, dass spaltenreiches Gelände sichtbar ist und Schneebrücken früh in der Saison bis auf den Weg reichen können.
  • Ausrüstung: Normale Bergwanderausrüstung. Keine Klettersteigausrüstung erforderlich. Trekkingstöcke empfohlen. Regenschutz und warme Schichten unverzichtbar — die Temperaturen auf 2.500-3.000 m können selbst im Juli nachts unter den Gefrierpunkt fallen.

Quelle: Zillertal Tourismus -- Berliner Höhenweg


Gipfel entlang der Route

Der Berliner Höhenweg verläuft an den Flanken einiger der höchsten Gipfel der Zillertaler Alpen. Die Route selbst ist ein Wanderweg, aber die Gipfel, unter denen sie hindurchführt, prägen den visuellen Charakter des Treks:

Großer Möseler (3.478 m): Der höchste Gipfel der Zillertaler Alpen, sichtbar vom Furtschaglhaus und mehreren Etappen. Schwierigkeit PD mit Gletscherzustieg. Ein ernsthaftes Bergsteigerziel.

Olperer (3.476 m): Der markante Gipfel hinter der Olpererhütte. Schwierigkeit AD- über den Riepengrat (Südostgrat, UIAA III-). Die klassische Kombination aus Gletscher und Grat vom Schlegeis-Speicher aus. Saison Juli-September.

Hochfeiler / Gran Pilastro (3.510 m): Der insgesamt höchste Gipfel der Zillertaler Alpen (der Große Möseler ist der höchste vollständig in Österreich liegende). Sichtbar von den südlichen Etappen. Liegt auf der österreichisch-italienischen Grenze.

Keiner dieser Gipfel ist Teil des Berliner Höhenwegs selbst. Sie erfordern Seil, Steigeisen, Gletschererfahrung und eine substanziell andere Vorbereitung.

Quelle: bergsteigen.com -- Olperer Riepengrat


Ausrüstung und Vorbereitung

Der Berliner Höhenweg ist eine anspruchsvolle Bergwanderroute. Erforderliche Ausrüstung:

  • Feste Wanderschuhe: Knöchelhalt unverzichtbar. Schutt, Felspfade und gelegentliche Schneefelder verlangen solides Schuhwerk.
  • Trekkingstöcke: Die 5.300 m Gesamtanstieg und 5.000 m Abstieg über 8 Etappen machen Stöcke für die Gelenkschonung nahezu unverzichtbar.
  • Regenschutz: Wasserdichte Jacke und Hose. In den Tiroler Alpen nicht verhandelbar.
  • Warme Schichten: Am höchsten Punkt auf 3.133 m sind in jedem Monat Frosttemperaturen möglich. Fleece und Isolationsjacke sind beide gerechtfertigt.
  • Hüttenschlafsack: In allen Hütten Pflicht. Seide oder Baumwolle.
  • Bargeld: 200-300 EUR in kleinen Scheinen. Auf den Hütten herrscht Bargeldwirtschaft.
  • Sonnenschutz und Stirnlampe: Die UV-Belastung in der Höhe ist intensiv; frühe Morgenstarts sind üblich.
  • Gamaschen: Optional, aber nützlich für Schuttpassagen und Altschnee früh in der Saison.

Keine Seile, Steigeisen oder Klettersteigausrüstung für die Hauptroute nötig.


Flexible Teilabschnitte

Der Berliner Höhenweg muss nicht als durchgehende 8-Tage-Runde absolviert werden. Jede Hütte hat eine Abstiegsoption ins Tal, und der öffentliche Verkehr verbindet die Talorte.

Beliebte 3-4-Tages-Abschnitte:

Olperer-Abschnitt (3 Tage)

Friesenberghaus zur Berliner Hütte über Olpererhütte und Furtschaglhaus. Zugang von Mayrhofen per Bus zum Schlegeis-Speicher. Dieser Abschnitt vereint die meistfotografierte Kulisse (Olpererhütte über dem Schlegeis) und die historisch bedeutendste Hütte (Berliner Hütte).

Berliner-Hütte-Runde (4 Tage)

Start am Breitlahner (Ginzling), Aufstieg zur Berliner Hütte, weiter zur Greizer Hütte und Kasseler Hütte, Abstieg nach Mayrhofen. Das erschließt das Innere der Runde und das abgeschiedenste Gelände.


Anreise von Innsbruck

Mayrhofen (633 m), der Ausgangsort für den Berliner Höhenweg, ist von Innsbruck in 60-90 Minuten erreichbar:

  1. Zug: Innsbruck Hbf nach Jenbach (30 Minuten, ÖBB-Hauptstrecke)
  2. Zillertalbahn: Jenbach nach Mayrhofen (55 Minuten, Schmalspurbahn)

Die Zillertalbahn ist eine Schmalspurbahn, die die gesamte Länge des Zillertals von Jenbach nach Mayrhofen befährt. Sie verkehrt ganzjährig im Regelbetrieb.

Von Mayrhofen bedienen Talbusse die verschiedenen Ausgangspunkte. Der Schlegeis-Speicher (Zugang zur Olpererhütte) ist von Mayrhofen in etwa 40 Minuten per Bus erreichbar.

Quelle: Zillertal Tourismus


Saison

Die Saison des Berliner Höhenwegs ist kürzer als die des Stubaier Höhenwegs — wegen der größeren Höhe und der nördlicheren Ausrichtung einiger Etappen.

Juli bis September: Alle Hütten offen. Am höchsten Punkt auf 3.133 m kann sich Schnee bis in den Juli halten. Die besten Bedingungen herrschen von Mitte Juli bis Mitte September. Der August ist am vollsten.

Das nachmittägliche Gewittermuster (14-17 Uhr) gilt hier wie überall in Tirol. Früh starten, Ankunft an der Hütte für den frühen Nachmittag einplanen.

Kompletter Saisonleitfaden: Wann nach Tirol


Budget

Ein 8-tägiger Berliner Höhenweg mit Halbpension auf allen Hütten:

KategorieOeAV-MitgliedNichtmitglied
Hüttennächte (8)120-184 EUR216-312 EUR
Halbpensionszuschlag (8)144-200 EUR144-200 EUR
Zillertalbahn + Busse25-40 EUR25-40 EUR
OeAV-Mitgliedschaft75 EUR (jährlich)--
8-Tage-Gesamt364-499 EUR385-552 EUR

Die OeAV-Mitgliedschaft spart über die 8-Tage-Runde allein bei den Hüttennächten etwa 80-128 EUR und finanziert sich damit praktisch selbst. Die inkludierte weltweite Rettungsversicherung ist ein zusätzlicher Vorteil.

Kompletter Rechner: Tirol-Budget

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