Die Fakten

KennzahlWert
Distanz~6 km einfach
StartStation Eigergletscher (2.320 m)
ZielStation Alpiglen (1.616 m)
Höhenverlust~700 m (netto Abstieg)
Höhengewinn~100 m kumuliert (kleine Gegenanstiege)
Gehzeit2-2,5 Stunden
SchwierigkeitT2 (Bergwandern) — gute Wege, einzelne ausgesetzte Abschnitte
SaisonEnde Juni bis Oktober (schneeabhängig)
GeländeAlpwiesen, Schutthalden, Moräne; gut signalisierter Weg
Nähe zur NordwandDer Weg verläuft ~400 m horizontal am Fuss der 1.800 m hohen Nordwand vorbei

Quellen: en.wikipedia.org/wiki/Eiger, en.wikipedia.org/wiki/Eigergletscher_railway_station, jungfrau.ch.


Anreise zum Start

Der Eiger Trail beginnt an der Station Eigergletscher (2.320 m). Zwei Wege dorthin:

Variante 1 — Eiger Express (am schnellsten). Mit der 3S-Bahn vom Grindelwald Terminal (943 m) zum Eigergletscher. Fünfzehn Minuten, direkt. Das Grindelwald Terminal ist der neue integrierte Verkehrsknoten (eröffnet 2020) mit grossem Parkhaus. Das ist der effizienteste Zustieg.

Variante 2 — Wengernalpbahn. Mit der Zahnradbahn von der Kleinen Scheidegg (2.061 m) zum Eigergletscher. Das ist der klassische Zustieg — dieselbe Linie, die durch den Berg weiter zum Jungfraujoch führt. Es dauert länger, dafür sitzt man in der historischen Bahn.

So oder so: Am Eigergletscher steigt man aus, und die Nordwand steht direkt darüber. Der Weg ist ab der Station signalisiert.

Kosten. Der Eiger Express vom Grindelwald Terminal zum Eigergletscher kostet CHF 54 retour (CHF 27 mit Halbtax). Wer einen Berner Oberland Pass hat, für den ist die Bahnfahrt von Alpiglen zurück nach Grindelwald inbegriffen. Ein Jungfraujoch-Billett schliesst den Zugang zum Eigergletscher auf dem Hin- oder Rückweg ein — viele Wanderer kombinieren den Eiger Trail mit einem Jungfraujoch-Besuch: vom Eigergletscher nach Alpiglen hinunterwandern und mit dem Zug zurückfahren. (jungfrau.ch)


Der Weg

Der Eiger Trail ist ein Abstieg. Vom Eigergletscher auf 2.320 m zieht der Weg unter der Nordwand entlang und verliert 700 m bis Alpiglen auf 1.616 m. Das Gefälle ist stetig, nie strafend steil, mit gelegentlichen kurzen Gegenanstiegen über Moränenrücken.

Gelände. Der erste Abschnitt quert Alpwiesen mit Enzianen und Alpenastern (Juli-August). Beim Umrunden des Wandfusses wechselt das Gelände zu Schutthalden und Moräne — dem Material, das der Steinschlag aus der Nordwand über Jahrhunderte abgelagert hat. Stellenweise führt der Weg durch Blockfelder, über denen die frischen weissen Narben jüngerer Felsabbrüche in der Wand sichtbar sind. Zu Saisonbeginn markieren Lawinenkegel und Altschneefelder die Runsen, die aus der Wand herunterziehen.

Die Wand darüber. Die Eiger-Nordwand ist keine einzelne Felswand. Sie ist eine komplexe Architektur aus Pfeilern, Eisfeldern, Couloirs und Kalkbändern, die sich 1.800 m vom Wandfuss bis zum Gipfel erstreckt. Vom Weg aus blickt man hinauf in die Ausstiegsrisse, die Rampe, die Weisse Spinne (das Eisfeld, von dem vier Couloirs wie Beine ausstrahlen) und den Hinterstoisser-Quergang — die Schlüsselstelle der Route von 1938. Der dunkle Fleck in der Wand auf etwa 2.866 m ist das Aussichtsfenster der Station Eigerwand, als Teil des Jungfraubahn-Tunnels in den Fels geschlagen. Hinter diesem Fenster fahren Züge durch den Berg.

Blick nach aussen. Jenseits des Tals von Grindelwald: das Wetterhorn (3.692 m), die Grosse Scheidegg und die grünen Weiden des Grindelwaldner Beckens. Im Rücken die Kleine Scheidegg und der Zugang zur Jungfrau-Gruppe. Der Kontrast zwischen dem pastoralen Tal unten und der tödlichen Architektur der Nordwand oben ist das prägende Erlebnis dieses Weges.

Endpunkt. Der Weg endet an der Station Alpiglen (1.616 m), einem kleinen Halt der Wengernalpbahn. Von Alpiglen fahren Züge talwärts nach Grindelwald oder bergwärts zur Kleinen Scheidegg. Der Takt liegt im Sommer bei etwa 30 Minuten. Fahrplan in der App der Jungfraubahnen oder am Aushang der Station prüfen.


Worunter man hier geht

Die Nordwand wurde am 24. Juli 1938 von der deutsch-österreichischen Seilschaft Anderl Heckmair, Ludwig Vörg, Heinrich Harrer und Fritz Kasparek erstdurchstiegen. Die Geschichte der Erstdurchsteigung ist untrennbar mit der Geschichte ihrer gescheiterten Versuche verbunden.

1935. Max Sedlmayr und Karl Mehringer wagten den ersten ernsthaften Versuch und starben auf etwa 3.300 m an Kälte und Erschöpfung. Das Band, auf dem sie umkamen, heisst «Todesbiwak». Ihre Körper waren jahrelang durch die Fernrohre der Hotels an der Kleinen Scheidegg sichtbar — Touristen zahlten für den Blick.

1936. Vier Kletterer — die Deutschen Toni Kurz und Andreas Hinterstoisser, die Österreicher Willy Angerer und Edi Rainer — starteten einen gemeinsamen Versuch. Angerer wurde am zweiten Tag von Steinschlag getroffen. Die Seilschaft trat den Rückzug an, konnte den Hinterstoisser-Quergang aber nicht zurückklettern — sie hatten das Seil nach der Querung abgezogen. Rainer und Angerer starben zuerst. Hinterstoisser stürzte in den Tod. Kurz, der letzte Überlebende, hing drei Tage in der Wand, ein Arm vollständig erfroren. Retter kamen vom Fenster der Eigerwand-Station bis auf Rufweite heran. Kurz seilte sich an einem behelfsmässigen Seil aus aufgetrennten, zusammengeknoteten Strängen zu ihnen ab. Der Knoten verklemmte sich in seinem Karabiner. Er kam nicht darüber hinweg. Er starb hängend, Meter von der Rettung entfernt. (en.wikipedia.org/wiki/1936_Eiger_climbing_disaster)

Juni 1938. Die Italiener Mario Menti und Bortolo Sandri stürzten während eines Gewitters nahe dem Schwierigen Riss ab — die Todesopfer acht und neun, bevor überhaupt jemand oben angekommen war.

24. Juli 1938. Heckmair führte die kombinierte Seilschaft durch Steinschlag, Lawinen und einen heftigen Sturm zum Gipfel. Die Durchsteigung wurde vom NS-Regime umgehend als arischer Triumph vereinnahmt. Die Motive der Kletterer waren persönlich. Harrer schrieb später den Bericht Die Weisse Spinne, der zum meistgelesenen Bergsteigerbuch der Geschichte wurde.

Seit 1935 sind mindestens 64 Kletterer in der Nordwand ums Leben gekommen. Im Volksmund wurde aus der Nordwand die «Mordwand». Die Wand fordert weiter Opfer; Steinschlagereignisse zwangen 2024 zu vorübergehenden Routensperrungen. (en.wikipedia.org/wiki/Eiger, switzerland-highlights.com)

Vom Eiger Trail aus ist diese Geschichte nicht abstrakt. Man geht durch die Steinschlagzone. Man sieht den Hinterstoisser-Quergang. Die Wand steht direkt über einem. Die Dimension lässt sich in Worten kaum fassen — 1.800 Höhenmeter sind ungefähr die doppelte Tiefe des Grand Canyon, komprimiert in eine Wand, die man am Fuss berühren kann.


Praktische Details

Saison. Der Eiger Trail öffnet typischerweise Ende Juni und schliesst Mitte Oktober, schneeabhängig. Bis Anfang Juli können Schneereste liegen bleiben, besonders in den Runsen unter der Wand. Mitte Juli bis September bietet die verlässlichsten Verhältnisse.

Schwierigkeit. T2 auf der Wanderskala des SAC — Bergwandern. Durchgehend gute Wege. Einzelne Abschnitte sind ausgesetzt (steiler Abbruch auf einer Seite), aber der Weg ist breit und gut unterhalten. Kein Kraxeln, keine Fixseile, keine technische Ausrüstung. Trailrunner und Familien mit älteren Kindern gehen ihn regelmässig. Feste Wanderschuhe mit Knöchelhalt genügen; schwere Bergschuhe braucht nur, wer in raueres Gelände weiterziehen will.

Mitnehmen. Wasser (1-1,5 Liter — zwischen Eigergletscher und Alpiglen gibt es keine Auffüllstellen), Sonnenschutz (die südexponierten Hänge oberhalb von Alpiglen heizen sich in der Nachmittagssonne auf), eine leichte Schicht für den Start auf 2.320 m und, falls vorhanden, ein Fernglas. Die Details der Wand — das Eigerwand-Fenster, die Eisfelder, die Fixseile aktiver Kletterrouten — belohnen die Vergrösserung.

Timing. Zwei bis zweieinhalb Stunden sind das Standardtempo für den ganzen Weg. Wenn möglich früh starten — das Morgenlicht trifft direkt auf die Nordwand, und im Juli-August sind Nachmittagsgewitter häufig. Der Weg ist nordostexponiert und verliert die Sonne am späteren Nachmittag.

Verlängerung. Von Alpiglen kann man statt der Bahn zu Fuss nach Grindelwald absteigen (rund 1,5 zusätzliche Stunden, steiler Waldweg). Oder die Route umkehren — in Alpiglen starten und zum Eigergletscher aufsteigen — für ein anstrengenderes, aber ebenso dramatisches Erlebnis, bei dem die Nordwand vor einem wächst, statt hinter einem zurückzubleiben.

Verbindung zur Kleinen Scheidegg. Vom Eigergletscher erreicht ein 45-minütiger Fussweg (oder eine kurze Bahnfahrt) die Kleine Scheidegg, den Bahnknoten unter dem Eiger. Die Kleine Scheidegg hat Restaurants und ist Ausgangspunkt der Jungfraubahn zum Jungfraujoch. Eiger Trail und Jungfraujoch an einem Tag zu kombinieren ist machbar, aber ein volles Programm.


Die Alternative zum Jungfraujoch

Das Jungfraujoch kostet ab Interlaken CHF 235 retour (CHF 127 mit Halbtax). Der Eiger Trail kostet CHF 54 retour für den Eiger Express (CHF 27 mit Halbtax).

Auf dem Jungfraujoch steht man in einem Gebäude auf 3.454 m, betrachtet den Aletschgletscher durch Glas, besucht eine Eisgrotte und einen Schokoladenladen und teilt sich die Aussichtsplattform mit Reisegruppen.

Auf dem Eiger Trail geht man zwei Stunden direkt unter der geschichtsträchtigsten Wand des Alpinismus, durch Schutt, den die Wand selbst abgelagert hat, mit 1.800 m senkrechtem Fels über dem Kopf, in einer Stille, die nur das gelegentliche Krachen fernen Steinschlags durchbricht.

Beide Erlebnisse haben ihren Wert. Aber der Eiger Trail liefert den direkteren Kontakt mit den Bergen, zu einem Viertel des Preises, in derselben Zeit.


Die Bahn im Berg

Ein Detail, das dem Eiger Trail eine surreale Ebene hinzufügt: Der Berg, unter dem man geht, ist hohl.

Der Tunnel der Jungfraubahn — zwischen 1896 und 1912 durch Eiger und Mönch getrieben — verläuft 7 km durch das Innere des Bergs. Zwei Zwischenstationen im Tunnel haben Fenster im Fels: Eigerwand (2.866 m) und Eismeer (3.160 m). Die Züge zum Jungfraujoch halten kurz an diesen Stationen, und die Passagiere blicken durch die Felswand nach draussen.

Vom Eiger Trail aus ist das Eigerwand-Fenster als dunkles Rechteck in der Wand sichtbar — rund 500 m höher. Alle 30 Minuten fährt dahinter ein Zug vorbei. An stillen Tagen hört man das Rumpeln der Zahnradbahn durch den Fels. Die Gegenüberstellung ist ausgesprochen schweizerisch: 1.800 m tödliche senkrechte Wand, und darin ein Zug, der nach Fahrplan verkehrt.

Das Eismeer-Fenster, höher gelegen und vom Weg aus schwerer auszumachen, blickt auf den Grindelwaldgletscher. Die Arbeiter schlugen beide Fenster während der 16-jährigen Bauzeit in den Fels — teils zur Belüftung, teils für die Touristen, die für den Blick nach draussen zahlen würden. Adolf Guyer-Zeller, der Erfinder der Bahn, verstand, dass die Fensterblicke den Billettpreis rechtfertigen würden. Er behielt recht — die Jungfraubahn ist seit über einem Jahrhundert profitabel. (en.wikipedia.org/wiki/Jungfrau_Railway)


Kombinationen mit anderen Wanderungen

Der Eiger Trail liegt im Zentrum des Wandernetzes im Berner Oberland. Mehrere naheliegende Kombinationen:

Eiger Trail + Männlichen-Kleine Scheidegg. Start am Männlichen (Gondelbahn vom Grindelwald Terminal), Royal Walk (30 Min.), Abstieg zur Kleinen Scheidegg (1,5 h), Bahn zum Eigergletscher, Eiger Trail nach Alpiglen (2 h), Bahn zurück nach Grindelwald. Gesamtwanderzeit: rund 4,5 Stunden. Drei unterschiedliche Landschaften an einem Tag.

Eiger Trail + Jungfraujoch. Mit dem Eiger Express zum Eigergletscher, weiter zum Jungfraujoch (Bahn, 50 Min. ab Eigergletscher). 1-2 Stunden oben verbringen. Zurück zum Eigergletscher und den Eiger Trail nach Alpiglen wandern. Ein voller Tag, der das Infrastruktur-Spektakel mit dem Bergerlebnis verbindet.

Eiger Trail + Via-Alpina-Etappe C10. Wer die Via Alpina geht, kann den Eiger Trail in Etappe C10 (Grindelwald-Lauterbrunnen) einbauen. Von der Kleinen Scheidegg Abstecher zum Eigergletscher (kurzer Fussweg oder Bahn), Eiger Trail nach Alpiglen, dann weiter nach Grindelwald und Lauterbrunnen. Das verlängert die Etappe um rund 2 Stunden, ersetzt aber Standardweg durch die dramatischsten 6 km der Region.


Quellen