Die Route

Der Grüne Weg der Via Alpina (Schweizer Nationale Route 1, früher Alpine Pass Route) führt in 390 Etappen über die Alpen von Vaduz nach Montreux. Fünf dieser Etappen — C8 bis C12 — queren das Berner Oberland von Meiringen nach Kandersteg und durchmessen das Kernstück des Eiger-Jungfrau-Massivs.

Das ist ein Fünf-Tage-Abschnitt, der sich unabhängig wandern lässt, ohne sich auf die gesamte Transalproute festzulegen. Er überschreitet vier grosse Pässe, führt unter der Eiger-Nordwand durch, streift den Blüemlisalpgletscher und endet am Oeschinensee — einem See im UNESCO-Welterbe. Das Gelände reicht von T2 (Bergwandern) bis T3 (anspruchsvolles Bergwandern), mit einer Etappe, die zu Saisonbeginn Steigeisen erfordern kann.

EtappeVon → NachSchlüsselpassDistanzAufstiegAbstiegSchwierigkeitZeit
C9Meiringen → GrindelwaldGrosse Scheidegg (1.962 m)~22 km~1.400 m~1.300 mT27-8 h
C10Grindelwald → LauterbrunnenKleine Scheidegg (2.061 m)~17 km~1.100 m~1.300 mT26-7 h
C11Lauterbrunnen → GriesalpSefinenfurgge (2.612 m)~18 km~1.800 m~1.600 mT38-9 h
C12Griesalp → KanderstegHohtürli (2.778 m)~19 km~1.700 m~1.700 mT38-10 h

Hinweis: Etappe C8 (Engelberg-Meiringen über den Jochpass, 2.207 m) betritt die Region streng genommen bereits, startet aber ausserhalb. Die meisten Berner-Oberland-Wanderer beginnen in Meiringen.

Quellen: en.wikipedia.org/wiki/Via_Alpina, schweizmobil.ch Route 1.


Etappe C9: Meiringen-Grindelwald über die Grosse Scheidegg

Die Etappe. Von Meiringen (595 m) steigt der Weg stetig durchs Reichenbachtal — vorbei an den Reichenbachfällen, wo Arthur Conan Doyle 1893 Sherlock Holmes sterben liess — zur Gletscherschlucht Rosenlaui und dann hinauf zur Grossen Scheidegg (1.962 m). Der Abstieg nach Grindelwald folgt einem Panoramaweg, über dem das Wetterhorn (3.692 m) die Aussicht dominiert.

Gelände. Durchgehend T2. Gute, gut signalisierte Wege. Der Aufstieg ist lang, aber nie technisch schwierig. Der Rosenlaui-Abschnitt führt durch einige der schönsten Alpwiesen-Landschaften der Region. Oberhalb der Schwarzwaldalp wird der Weg im Wald steiler, bevor er sich auf den breiten Sattel der Grossen Scheidegg öffnet.

Abkürzung. Ein PostAuto fährt von Meiringen zur Schwarzwaldalp und spart rund 2 Stunden und 600 Aufstiegsmeter der Etappe. Das ist eine legitime Option bei knapper Zeit oder Kondition — die schönste Landschaft liegt oberhalb der Schwarzwaldalp.

Übernachtung. Grindelwald (1.034 m) hat ein breites Unterkunftsangebot von Hostels (CHF 40-60) bis zu Luxushotels (CHF 300+). Alternativ bietet das Berghotel Grosse Scheidegg direkt am Pass Lager und Privatzimmer.

Meiringen-Notiz. Der Ort beansprucht, Geburtsort der Meringue zu sein — ob das historisch stimmt, ist umstritten, aber die örtlichen Bäckereien nehmen den Anspruch ernst.


Etappe C10: Grindelwald-Lauterbrunnen über die Kleine Scheidegg

Die Etappe. Die zugänglichste und landschaftlich stärkste der fünf Etappen. Von Grindelwald (1.034 m) steigt der Weg durch Alpweiden zur Kleinen Scheidegg (2.061 m), dem Bahnknoten direkt unter der Eiger-Nordwand. Der Abstieg nach Lauterbrunnen (802 m) folgt dem Korridor der Wengernalpbahn durch Wengen.

Was man sieht. Von der Kleinen Scheidegg füllt die Eiger-Nordwand den südlichen Himmel — 1.800 m senkrechte Wand aus nächster Nähe. Mönch (4.107 m) und Jungfrau (4.158 m) verlängern die Skyline nach Westen. Von diesem Aussichtspunkt aus wurde 1936 das Sterben von Toni Kurz durch Fernrohre verfolgt. Die Hotels an der Kleinen Scheidegg haben die Fernrohre noch.

Gelände. Durchgehend T2. Der Aufstieg von Grindelwald verläuft stetig auf breiten, gut unterhaltenen Wegen. Der Abstieg von der Kleinen Scheidegg nach Wengen und weiter nach Lauterbrunnen ist sanfter und folgt über weite Strecken der Bahnlinie.

Bahn-Optionen. Diese Etappe lässt sich mit der Wengernalpbahn stark verkürzen. Grindelwald-Kleine Scheidegg per Bahn: rund 35 Minuten. Kleine Scheidegg-Lauterbrunnen via Wengen: rund 45 Minuten. Mit dem Berner Oberland Pass sind beide Abschnitte inbegriffen. So lässt sich nur der hohe Abschnitt (Gebiet Kleine Scheidegg) wandern und der Rest fahren — ein halber statt ein ganzer Tag.

Verbindung zum Eiger Trail. Von der Kleinen Scheidegg erreicht eine kurze Bahnfahrt oder ein Fussweg die Station Eigergletscher, den Start des Eiger Trails. Wer den Eiger Trail an diese Etappe anhängt, bekommt einen langen, aber spektakulären Tag.

Übernachtung. Lauterbrunnen (802 m) hat Hostels, Pensionen und Hotels. Das Valley Hostel ist eine beliebte Budget-Option. Campingplätze gibt es an mehreren Standorten im Tal.


Etappe C11: Lauterbrunnen-Griesalp über die Sefinenfurgge

Die Etappe. Hier wird die Via Alpina ernst. Von Lauterbrunnen (802 m) steigt der Weg durch das Sefinental zur Sefinenfurgge (2.612 m) — dem technisch anspruchsvollsten Pass des Berner-Oberland-Abschnitts. Der Abstieg zur Griesalp (1.407 m) ist steil und anhaltend.

Gelände. T3 (anspruchsvolles Bergwandern). Der Aufstieg zur Sefinenfurgge enthält ausgesetzte Passagen mit fixen Ketten im Schlussanstieg zum Pass. Zu Saisonbeginn (Juni, teils Anfang Juli) können Zustieg und Nordseite des Passes schneebedeckt sein. Vor Mitte Juli sind Pickel und Microspikes empfohlen; in manchen Jahren sind Steigeisen angebracht. Ab August ist die Route typischerweise schneefrei.

Der Pass. Die Sefinenfurgge auf 2.612 m öffnet Blicke nach Süden zur Blüemlisalp-Gruppe und zurück nach Norden zum Jungfrau-Massiv. Sie ist eine schmale Scharte zwischen Felswänden — eher atmosphärisch als panoramisch.

Alternativer Start. Viele Wanderer nehmen die Luftseilbahn von Lauterbrunnen nach Grütschalp und gehen zu Fuss nach Mürren (1.638 m), bevor sie ins Sefinental aufsteigen. Das bringt Abwechslung in den Zustieg und erspart das anfängliche Strassenstück ab Lauterbrunnen. Von Mürren erreicht man das Sefinental über einen gut markierten Abstieg nach Gimmelwald und dann talaufwärts.

Griesalp. Eine kleine Siedlung mit begrenztem Unterkunftsangebot. Das Naturfreundehaus Griesalp und das Berghaus Golderli bieten Lager und Zimmer. Im Juli-August vorausbuchen — viele Betten gibt es nicht.


Etappe C12: Griesalp-Kandersteg über das Hohtürli

Die Etappe. Oft als eine der schönsten Etappen der gesamten Via Alpina genannt — von allen 390. Von der Griesalp (1.407 m) steigt der Weg unerbittlich zum Hohtürli (2.778 m), dem höchsten Pass des Berner-Oberland-Abschnitts. Der Abstieg passiert die Blüemlisalphütte (SAC, 2.840 m), streift den Blüemlisalpgletscher und fällt zum Oeschinensee (1.578 m) ab, bevor der Schlussabstieg nach Kandersteg (1.176 m) folgt.

Das Hohtürli. Mit 2.778 m ist das ein richtiger hoher Pass. Die letzten 200 Aufstiegsmeter von der Nordseite sind steil und können rutschig-locker sein. Auf der Südseite steigt der Weg am Blüemlisalpgletscher vorbei ab — der sich zurückzieht, aber immer noch eindrücklich ist — mit Blicken über das Becken des Oeschinensees und das Kandertal dahinter. Zu Saisonbeginn kann die Gletscherpassage Steigeisen erfordern. Von Mitte Juli bis September ist der Weg typischerweise frei.

Blüemlisalphütte (SAC). Die SAC-Hütte auf 2.840 m sitzt direkt unter dem Hohtürli auf der Südseite. Sie ist der logische Übernachtungsstopp für alle, die diese lange Etappe in zwei Tage teilen wollen — oder die spät am Pass ankommen. Halbpension: CHF 60-75 (SAC-Mitglieder), CHF 85-106 (Nichtmitglieder). Reservation über das Online-Reservationssystem des SAC. (sac-cas.ch)

Oeschinensee. Der See im UNESCO-Welterbe auf 1.578 m ist einer der schönsten der Alpen — türkisfarbenes Gletscherwasser unter 3.000 m hohen Wänden. Eine Gondelbahn nach Kandersteg übernimmt den grössten Teil der restlichen Abstiegshöhe, wenn die Beine am Ende sind. Baden ist im Sommer möglich (kalt). Der See lohnt sich auch als eigenständiges Tageswanderziel ab Kandersteg.

Kandersteg. Der Endpunkt der Route hat volle Infrastruktur: Hotels, Restaurants, Supermärkte und einen Bahnhof mit Direktverbindungen nach Bern (1 Stunde), Interlaken (30 Minuten) und durch den Lötschberg-Basistunnel ins Wallis.


Logistik und Planung

Richtung. Ost nach West (Meiringen nach Kandersteg) ist die Standardrichtung und entspricht der Markierung des Grünen Wegs der Via Alpina. Die Gegenrichtung ist ebenso machbar, aber die Signalisation ist weniger intuitiv.

Dauer. Vier bis fünf Tage sind Standard. Schnelle Wanderer komprimieren die Route auf vier Tage, indem sie C9 und C10 kombinieren (langer Tag) oder Transport-Abkürzungen nutzen. Die meisten nehmen fünf Tage und übernachten an jedem Etappenziel.

Unterkunfts-Übersicht:

NachtOrtOptionenCa. CHF/Nacht
1GrindelwaldHotels, Hostels, Berghotel Grosse Scheidegg50-300
2LauterbrunnenHotels, Hostels, Camping35-200
3GriesalpNaturfreundehaus, Berghaus Golderli60-120
4Blüemlisalphütte oder KanderstegSAC-Hütte oder Hotels im Ort75-250

Transportpass. Der Berner Oberland Pass deckt die PostAuto-Abkürzungen (Meiringen-Schwarzwaldalp), die Seilbahnen (Lauterbrunnen-Grütschalp, Gondelbahn Kandersteg-Oeschinensee) und alle Züge zwischen den Orten ab. Mit CHF 254 für sechs Tage (mit Halbtax) bietet er nützliche Flexibilität, um Etappen zu verkürzen oder Wetterverzögerungen aufzufangen.

Karten. Die SwissTopo-Blätter 1:25.000 decken die Route ab. Die kostenlose SwissTopo-App liefert Offline-Landeskarten in voller Auflösung — die Kacheln fürs Berner Oberland vor der Abreise herunterladen. Die Wegmarkierung folgt dem Schweizer Standard: weiss-rot-weiss für T2-T3-Bergwege. Die Via-Alpina-Beschilderung (grün-rote Rautenmarkierungen) ergänzt die nationalen Schweizer Markierungen.

Schwierigkeitseinschätzung. Die Etappen C9 und C10 sind unkompliziertes T2-Wandern — jede einigermassen fitte Person schafft sie. Die Etappen C11 und C12 steigern sich auf T3: Ausgesetztheit, steiles Gelände, möglicher Schnee und anhaltende Anstrengung (1.700-1.800 Aufstiegsmeter pro Tag). Für diese Etappen wird Bergwander-Erfahrung vorausgesetzt. Eine Via-Alpina-Durchquerung des Berner Oberlands ist in ihren letzten zwei Etappen keine Anfängerroute.

Wetterreserve. Sefinenfurgge und Hohtürli dürfen bei Gewitter, schlechter Sicht oder Neuschnee nicht überschritten werden. Mindestens einen Wetterreservetag einplanen. Lauterbrunnen und Grindelwald haben beide ausgezeichnete Bahnanbindungen für Ruhetage. Täglich MeteoSchweiz prüfen und den Plan anpassen.


Quellen